Hilfsbereitschaft kann manchmal schwierig sein (Die Geisterlehre – Kapitel 6)

Heute Abend muß ich Ludwig beweisen, dass ich hilfsbereit bin.
Hmmm, wie sollte ich das bloß machen? Naja, ich seh mich mal ein bißchen im Schloß um. Man kann ja immer was Schönes entdecken, wie zum Beispiel tickende Uhren, alte Bilder, Spielzeug von früher usw. Ich schwebte so hin und her, als ich plötzlich ein klirrendes Geräusch hörte.
Was war das? Da sah ich einen Mann laufen, es war ja schon dunkel und das Licht war auch nicht unbedingt sehr hell. Gut, dass wir Geister auch im Dunkeln sehen können. Ach, es war der Hausmeister des Schlosses. Uuups, da lag doch was auf dem Boden. Ich schwebte hin und erkannte einen Schlüssel.

Sicher hat der Hausmeister ihn verloren. Ich hob ihn auf und wollte ihn dem Hausmeister geben, da fiel mir ein, dass, sollte er mich sehen können,sich ganz schön erschrecken würde und ich sicherlich Stadtgespräch würde. Was sollte ich denn bloß machen? Ahhhh, ich könnte mich ja unsichtbar machen, das können wir Geister ja. Also gut, ich nahm also meine Unsichtbarkeit an und schwebte mit dem Schlüssel hinter dem Hausmeister her. Hallo, dachte ich, dreh dich sich doch mal um! Aber er lief schnurstracks weiter. Jetzt schwenkte ich den Schlüssel hin und her, dass er klirrte. Endlich, blieb der Mann stehen und drehte sich um. Er wurde ganz blass. Was hatte er denn? Ach ja, jetzt kapierte ich erst, dass der Schlüssel ja sichtbar in der Luft schwebte. Ich dachte, vielleicht, wenn ich dem Herrn den Schlüssel direkt vor das Gesicht hielte, würde er mir den Schlüssel abnehmen. Gesagt, getan. Ich schwebte auf ihn zu und klingelte mit dem Schlüssel direkt vor seiner Nase. Der Museumshausmeister fing an zu schreien und rannte davon. Ich natürlich, samt Schlüssel sofort hinterher, schließlich wollte ich dem Herrn ja nur helfen. Er braucht die Schlüssel ja schließlich! Ich schwebte an ihm vorbei und hielt den Schlüssel wieder vor sein Gesicht. Der Mann blieb stehen, schrie nach Hilfe und rannte wie der Blitz in Richtung Museumstüre. Er riß sie auf und rannte in den Innenhof des Schlosses. Mann, war der schnell! Ich hatte echt Mühe hinter ihm her zu schweben. Der Schlüssel war groß und hatte ein ganz schönes Gewicht. Der Mann schrie immer wieder : „Ein Gespenst, ein Gespenst! Es spuckt im Schloß!“ Ich konnte das gar nicht verstehen, denn er konnte mich immerhin gar nicht sehen. Jetzt fiel er auch noch hin und plötzlich kam eine Frau. Ich habe sie schon mal im Schloß gesehen, als sie putzte.Sie rannte zu dem auf dem Boden liegenden Hausmeister, um ihm aufzuhelfen.

Ich dachte, das Beste wäre es, den Schlüssel einfach neben dem Mann abzulegen, um weiteres Aufsehen zu vermeiden. Schnell legte ich den Schlüssel auf den Steinboden und schwebte davon. Ich hörte noch, als die Frau dem jammernden Herrn aufhalf und dieser ständig stammelte: „Geister, Schlüssel, schweben…..Angst…es spuckt im Schloß!“ Die arme Frau schüttelte den Kopf und meinte: „Armer Kerl, er muß sich beim Hinfallen den Kopf angestoßen haben. In unserem schönen Schloss spuckt es doch nicht und sie werden doch nicht an Geister glauben. Da neben ihnen liegt doch der Schlüssel.“ Der Hausmeister rappelte sich auf und meinte: „Gute Frau, ich denke sie haben recht! Danke für Ihre Hilfe.“ Er sah sehr verstört aus und ich war es nicht weniger. Ich wollte helfen und wäre beinahe entdeckt worden. Ich schwitzte ganz schön vor Aufregung und war mir sicher, an meiner Art der Hilfsbereitschaft muß ich noch arbeiten. Da muß mir Ludwig noch einiges beibringen. Jetzt mache ich mich auf nach Hause zu meinem kleinen Moritz.