Mit Gwendolin im Museum (Die Geisterlehre – Kapitel 8)

Nachdem ich zuhause mit Spaghettisoße bekleckert im Bett von Moritz aufwachte, nahm mich die Mama, wie schon befürchtet ins Badezimmer und steckte mich in die Waschkiste. Stellt euch vor, es machte mir gar nichts aus. Ich drehte meine Runden und meine Gedanken drehten sich nur um Gwendolin. Ach, mein Herzchen klopfte schneller und ich freute mich schon auf die heutige Nacht, denn Ludwig bat mich, Gwendolin das Museum zu zeigen. Das freute mich sehr, denn da kenne ich mich ja mittlerweile sehr gut aus. Ich überlegte, was ich ihr wohl als erstes zeigen wollte. Dann hielt die Waschkiste an und Moritz Mama nahm mich heraus und zwickte mich einer Wäscheklammer im Garten an einer Wäscheleine fest. Die Sonne schien und ein leichter Wind wehte. Auch wenn die Klammer an meinem Geisterschopf zwickte, so war das Schaukeln an der Leine nicht unangenehm. Außerdem hatte ich Zeit über die Pläne mit Gwendolin nachzudenken.
Durch angestrengtes Nachdenken war ich irgendwie eingeschlafen, wurde aber plötzlich durch das ruckartige Abnehmen von der Wäscheleine geweckt. Moritz Mama meinte: „So du kleiner Dreckspatz, wo immer du die Flecken herhattest, jetzt bist du wieder picobello.“ Na ja, ich weiß jetzt nicht wer dieser picobello ist, aber ich sah an mir herunter und ich war wieder schneeweiß.

Sie legte mich ins Kinderzimmer und ich schlief wieder ein, bis mich Moritz knuddelte und meinte. „Du riechst aber gut, lieber Fridolin und bist picobello sauber!“ Aha, dachte ich, jetzt weiß ich auch was picobello heißt, anscheinend so eine Art supergeistweiß. Klasse, das muß ich mir merken.
Ich wartete ungeduldig auf die Abendbrotzeit, da ja anschließend Schlafenszeit für Moritz war. Nicht das ihr glaubt, ich wäre ungeduldig und würde mein Menschenkind vernachlässigen wollen. Nein, aber ich bin verliebt und da ist man halt etwas nervös und freut sich, dass die Zeit vergeht, leider nicht rasch genug.
Endlich war Bettzeit und der kleine Moritz war heute so müde, dass er bald einschlief.
Ich sah ständig auf den kleinen Wecker und zählte die Minuten. 22.30 Uhr, ich kroch aus dem Bett und schwebte ins Badezimmer, nahm eine Bürste, kämmte mein Geisterfell, sah mich im Spiegel an und meinte: „Ja, so sieht Fridolin, der Picobello aus!“ Zufrieden schwebte ich durch die Haustüre und ließ mich durch die frische Nachtluft zum Schloss treiben. Natürlich war ich viel zu früh dran, doch ich ging immer wieder den Plan durch, was ich Gwendolin als erstes zeigen wollte.
Mein Herzchen klopfte! Ach Gwendolin!

Jetzt war es 23.Uhr und Ludwig öffnete die Türe zum Schloss. Er sah mich und sagte:“Donnerwetter Fridolin, du bist ja überpünktlich!“ Er grinste über das ganze Gesicht. „Setz dich und trink einen Tee, das beruhigt. Gwendolin wird gleich fertig sein.“ Ohje, Ludwig hat anscheinend gemerkt, dass ich mich in Gwendolin verliebt habe.
10 Minuten später war sie da. Sie klimperte mit ihren langen Wimpern und sagte: „Hallo lieber Fridolin, wie ich mich freue, dich zu sehen!“ Natürlich war ich aufgeregt und stotterte: „Liebe Gwendolin, und ich mich erst!“
„Ok, ihr Lieben, jetzt wird es Zeit. Habt viel Spaß und passt auf, dass ihr die Exponate nicht anrührt!“ meinte Ludwig. Er zwinkerte mir und Gwendolin zu und wünschte uns eine schöne Zeit.
Wir schwebten, natürlich Hand in Hand zum Museum. Im Museum stand eine kleine Kaffeemaschine und ich fragte Gwendolin, ob sie gerne einen Kaffee trinken möchte. Sie bejahte dies. Ich, keine Ahnung wie man Kaffee macht drückte auf den Knopf. Es machte einen kleinen Knall und das Kaffeepulver flog wie eine Staubwolke aus der Maschine. Gwendolin meinte gelassen: „Fridolin, wahrscheinlich hätte es Wasser in der Kaffeemaschine gebraucht, doch der Geruch alleine ist wunderbar. Laß uns weiterschauen, ich bin so gespannt.“ Ich wurde etwas nervös, sie zog mich jedoch am Arm und wir kamen in den Raum mit den Uhren, der mich am meisten faszinierte. Überall tickte es und die Uhren strahlten eine wunderbare Stimmung aus. Jetzt bloß nichts falsch machen, Fridolin, dachte ich und war glücklich, dass alles gut ging. „Komm, lass uns die Bilder der berühmten Uhrmacher im Schloß ansehen, liebe Gwendolin!“ meinte ich ermutigt durch den guten Ablauf bei den Uhren. „Ja sehr gerne“ meinte Gwendolin. Nun standen wir vor den Bildern, sahen sie an und Gwendolin meinte:
„Fridolin, siehst du, die Bilder hängen schief! Kannst du sie geraderücken?“ Manchmal kann es ein großer Fehler sein, auf Jemanden zu hören, vor allem, wenn man verliebt ist! „Ja, sicher Gwendolin, ich versuche es!“ Ich schwebte auf das Bild mit dem Uhrmacher zu. Ich muß vorausschicken, dass ich erst seit kurzem Dinge bewegen kann. Also versuchte ich mit einem kleinen Schubs den Uhrmacher in die richtige Richtung zu schieben. Dann ging es los. Der Schubs war anscheinend etwas zu heftig. Das Bild des Uhrmachers kickte das Bild der Uhrmachersgattin, die stieß ein anderes Bild an und so ging das ging dann weiter. Klirr, klatsch, bumm…letztendlich fiel ein Bild herunter, war aber dem Himmel sei Dank nicht kaputt. Dann schrillte eine Glocke. Scheinbar wurde die Alarmanlage ausgelöst, vor der uns Ludwig gewarnt hatte.

Ich war starr vor Schreck und Gwendolin fing an zu lachen. Sie konnte gar nicht mehr aufhören. Schließlich kam Ludwig angeschwebt und lachte mit Gwendolin. Er nahm mich in den Arm und meinte: „Fridolin, du bist ein guter Lehrling, das gehört auch zu deiner Ausbildung. Zwischendurch braucht es ein bißchen Unruhe in einem Schloss. Wer würde denn sonst an Geister glauben?“
Gwendolin gab mir ein Küsschen auf mein rotgewordenes Geisterbäckchen und ich war glücklich!

Sie verabschiedete sich und meinte: „Bis bald lieber Fridolin!“ Ja, es war Zeit fürs Bett und ich freute mich auf Moritz. Es war eine aufregende Nacht!