Fridolin ist verliebt (Die Geisterlehre – Kapitel 7)

Nach einer kurzen Nacht und liebevollen Streicheleinheiten meines Lieblingsmenschen streckte und reckte ich mich noch in Moritz Bett. Moritz war auf dem Weg in den Kindergarten und ich blieb noch ein Weilchen liegen und dachte über meinen gestrigen Lehrtag nach.
Heute Nacht, das hatte mir Ludwig angekündigt, würde ein Geisterlehrling kommen, der 1 Tag zu Besuch in unserem schönen Schloss sein würde.
Ich war so gespannt, wie dieser Lehrling wohl aussehen würde und was ich wohl mit ihm machen sollte.

Aufgeregt schwebte ich hin und her und konnte kaum erwarten, dass es Mitternacht wurde.
Moritz war heute Nachmittag mit einem Freund unterwegs und hatte mich nicht mitgenommen, da die Beiden im Sandkasten spielen wollten und er Angst hatte, dass ich mich schmutzig mache. Er weiß ja, dass ich nicht gerne in der Waschkiste landen mochte.
So vertrieb ich mir die Zeit, indem ich durch das Kinderzimmer schwebte und mal hier und mal da ein Bauklötzchen schweben ließ und mich freute, dass ich inzwischen kleiner Sachen bewegen konnte.
Endlich kam Moritz heim und seine Eltern saßen am Tisch und aßen das Abendbrot. Natürlich hatte mich mein kleiner Mensch im Arm und erzählte ununterbrochen von seinen Erlebnissen im Sandkasten. Das lenkte mich ab und ich schlief noch ein bißchen in seinem Arm. Schließlich war es nach dem Abendessen auch für Moritz Zeit fürs Bett und seine Eltern wünschten uns eine gute Nacht. Ich hatte ja auf Moritz Arm schon geschlafen und war jetzt putzmunter für meinen heutigen Lehrtag.


Noch 20 Minuten bis Mitternacht. Ich kroch unter der Decke hervor strich mein Fell glatt und schwebte Richtung Schloß. Das Tor stand offen und ich bewegte mich ganz vorsichtig hinein. Ich hörte Stimmen. Da stand Ludwig und eine kleine weiße Gestalt, etwas kleiner als ich.
Ludwig sah mich und meinte: „Guten Abend Fridolin, komm schon her. Ich möchte dir Gwendolin vorstellen!“ Die kleine weiße Gestalt drehte sich um und sagte: „Hallo Fridolin, das ist aber schön, dich endlich kennenzulernen! Onkel Ludwig hat mir schon so viel von dir erzählt!“
Ich brachte keinen Ton heraus. Das, das war ein Mädchen, ein wunderschönes Geistermädchen.

Ludwig sah mich prüfend an und sagte: „Was ist denn los Fridolin? Hat es dir die Sprache verschlagen? Ich habe dir doch gestern gesagt, dass wir Besuch bekommen. Das ist meine Nichte Gwendolin und ich möchte, dass du ihr heute Nacht Friedberg zeigst!“ ich schwebte näher, reichte ihr die Hand und sagte: „ha..ha..hallo Gwendolin, ich bin Fr…Fr…Fridolin und freue mich, di…di..dich kennenzulernen!“ Gwendolin klimperte mir ihren wunderschönen Wimpern, lächelte mich an und erwiderte: „ich mich auch, lieber Fridolin!“
Ludwig meinte: „Ja sag mal kleiner Fridolin, warum hast du denn jetzt so ein rotes Gesicht? Komm du brauchst auch nicht zu stottern! Gwendolin ist sehr nett, jetzt kommt und macht einen schönen Ausflug durch unser schönes Friedberg.
Ich konnte einfach nicht aufhören dieses hübsche Geistermädchen anzustarren. Schließlich nahm Gwendolin mich an der Hand und wir schwebten zum Schlosstor hinaus in die freundliche Nacht.
So glitt ich Hand in Hand mit Gwendolin eine ganze Zeit lang und sah sie unverwandt an. Schließlich sagte sie: „Fridolin, wo führst du mich denn hin?“ Uuups, jetzt wird es Zeit, einen Plan zu machen und ich erklärte ihr: „Wir schweben am besten runter unter den Berg. Von dort aus hast du den
schönsten Blick auf unser Schloss, anschließend dann den Berg hinauf!“ Wir schwebten ganz langsam den Berg hinunter. Die Beleuchtung zauberte eine wunderschöne Stimmung für diesen Anblick. Auf der Hälfte des Berges angekommen, fragte ich Gwendolin, ob sie hungrig sei, denn dort gäbe es ein wunderbares italienisches Restaurant. „Ohja, Fridolin, das wäre schön. Ich bin wirklich hungrig und Ludwig hat mir von Luigi erzählt. Die Spaghetti sollen toll schmecken!“ „Sehr schön, dann lade ich dich gerne ein!“ bot ich ihr an, denn schließlich bin ich in Ausbildung und Ludwig bezahlt mir einen kleinen Geisterlohn.
Luigi freute sich riesig über unseren Besuch. Kaum hatten wir bestellt, standen 2 große Teller Spaghetti auf dem Tisch und er betonte immer wieder: „Was du hast für ein Glück meine Freund Fridolin, dass du hast so bella Freundin!“ Wir plauderten und lachten und aßen unsere Spaghetti und vergaßen total die Zeit. Oweh, die Tomatensoße hinterließ auch ihre Spuren. Also wieder einmal ein paar Runden in der Waschkiste, dachte ich. Aber das war es wert. Ich glaube, ich bin ein bißchen verliebt, überlegte ich.

Plötzlich schlug die Turmuhr 3 Uhr. Es wurde Zeit, wenigstens eine kleine Runde durch Friedberg zu schweben. Luigi meinte beim Abschied: „Liebe Freund Fridolin und bella Gwendolin. Es war mir eine Freude und Ehre für euch zu kochen. Ihr braucht zahlen nix!“ Wir bedankten uns sehr herzlich und schwebten am Rathaus vorbei zum Marienbrunnen, dann zu St. Jakob und schließlich wieder zum Schloß zurück. Ludwig wartete schon, sah die roten Soßenflecken auf meinem Geisterfell und meinte nur: „Ich hoffe doch, dass ihr außer Spaghetti auch noch andere schöne Dinge in Friedberg erlebt habt!“ und grinste.
Ich verabschiedete mich artig und Gwendolin gab mir ein Küsschen auf mein Geisterbäckchen.

Ich schwebte glückselig Nachhause und mein Geisterherzchen klopfte aufgeregt! Ich glaube, ich bin wirklich verliebt !