Heute habe ich mich mal ein bißchen früher auf den Weg zum Schloß gemacht. Moritz war sehr müde und ging zeitig schlafen und für mich war das eine Gelegenheit, mal früher Ludwig aufzusuchen und mit ihm noch ein bißchen über die letzten Lehrtage zu reden.
Ich klopfe an das Schlosstor, das schon offenstand. Komisch dachte ich, ist Ludwig vielleicht nicht da? Ich schwebte rein und sah, wir Ludwig fleißig in einem Buch schrieb. Er hatte eine Brille auf, das war mir neu. „Guten Morgen Ludwig, du brauchst eine Brille?“ fragte ich. „Du bist schon da? Guten Morgen kleiner Fridolin, das ist aber schön. Wir haben viel vor heute Nacht. Ja, ich brauche eine Brille, schließlich bin ich schon weit über 200 Jahre alt, da lassen auch Geisteraugen etwas nach“, sagte er und lachte.
„Da bin ich aber heute echt gespannt, was ich heute lernen darf!“ sagte ich zu Ludwig.
Er legte seinen Stift zur Seite und nahm die Brille ab, griff nach meinen Geisterhändchen und schwebte mit mir auf den Dachboden des Schloßturmes.
Hmm, dachte ich, da ist es aber ganz schön muffig und an den Dachbalken hingen komische braunschwarze Beutel. Der Sache wollte ich auf den Grund gehen und fragte Ludwig: „Sag mir, lieber Ludwig, wer hat denn all diese Lederbeutel aufgehängt? Das sieht komisch aus!“ „Welche Lederbeutel denn, Fridolin?“ meinte er verwundert. „Na da oben an den Balken!“ gab ich zurück und zeigte mit der Hand nach oben.
Da lachte Ludwig und klopfte sich vor lauter Gelächter auf seinen dicken Geisterbauch. Ich bekam rote Backen. Ich schämte mich, weil Ludwig mich anscheinend auslachte. Als er sich beruhigt hatte rief er plötzlich: „Hallo liebe Regula, wach mal auf und zeig mal wie ihr Lederbeutel von innen ausseht!“ und er begann wieder zu lachen.
Der Lederbeutel öffnete sich und ich sah zwei große Flügel, einen Kopf mit großen braunen Augen und spitzen Ohren. Dieser geöffnete Beutel gähnte laut und eine seltsam piepsende Stimme sprach zu mir: „Du bischt also der Fridolin. Ich habe schon von dir gehört. Ich bin kein Läderbeitel, ich bin eine Flädermaus. Ich chomm aus der Schwyz und chäng hier ab, weils so gemütlich is hier.“
Diese sogenannte Fledermaus sprach sehr eigenartig. So hörte es sich an, als Moritz krank war. Da hatte er auch so eine belegte und nuschelige Stimme. Doch ich mußte ja auch freundlich sein, das erwartet Ludwig schließlich. Ich winkte Regula und begrüßte sie höflich: „Guten Abend Regula, freut mich, dich kennenzulernen.“ „Grüzie Fridolin“ gab sie zurück. Es war leider sehr anstrengend Regula anzusehen, weil sie mit dem Kopf nach unten hing und ich mich ständig umdrehen mußte, ich wollte schließlich höflich sein. Anscheinend bemerkte sie das und plötzlich schwebte sie elegant auf mich zu.
„Toll“, lobte ich sie.“ Du kannst aber wunderschön schweben! Aber du bist doch keine Maus!“ meinte ich und schüttelte den Kopf. Regula lachte und sah mich an. „Schau mal genauer hin. Mein Körper gleicht der einer Maus, niecht wahr, siescht du? Ich bin eine Maus mit Flögel, hihihi…ischt sähr pragtisch!“ und weiter meinte sie: „Wir müssen fliegen ckönnen, um uns an die Balken hängen zu ckönnen. Unsere Verwandtschaft, die normalen Mäuse schlafen in ihren Mauselöchern, das ckönnen wir nicht.“
Ludwig erklärte mir, dass die Fledermäuse auch für kleine Vampire gehalten werden und daher bei den Menschen nicht so beliebt sind. „Die Menschen glauben, dass sich die Fledermäuse von Blut ernähren. Sie nennen die Fledermäuse auch manchmal Flughunde.“
Regula ergriff das Wort und erzählte, dass Fledermäuse sehr nützlich sind, denn sie ernähren sich hauptsächlich von Insekten, wie Mücken und Nachtfaltern.
Ich hörte interessiert zu und Regula sprach: „Ich verstähe nicht, dass die Mänschen uns fürchten, dänn sie hängen Knoblauch oder andere Duftstoffe wie Zitronenöl und Nelkengewürze auf, um uns zu vertreiben. Dabei sind wir völlig ungefährlich. Wir fliegen bei Sonnenuntergang aus, denn die Sonne und das Licht mögen wir nicht so sähr! Wir tun aber den Mänschen nichts!“
„Siehst du Fridolin, das war heute eine Lehrstunde über Fledermäuse und du brauchst auch keine Angst vor ihnen zu haben. Du wirst noch viele Schloßbewohner kennenlernen. Regula und ihre Freunde werden sich mit dir bestimmt gut verstehen.“ Ich nickte und sagte: „Danke Ludwig, danke Regula, das war ein sehr interessanter Lehrtag:“
Donnerwetter, dachte ich, die Zeit ist heute schnell vergangen. Ich verabschiedete mich und schwebte durch das schöne Friedberg Nachhause und schlüpfte zu Moritz ins Bett.
